Architektur und Schmuck betreffen als künstlerisches Medium den Menschen unmittelbar. Architektur umgibt ihn, Schmuck trägt er am Körper. Malerei und
Skulptur befinden sich zum Betrachter im räumlichen Abstand. Nur aus der Distanz sind diese beiden Medien für den Rezipienten wahrnehmbar. Architektur bleibt auch dann Architektur, wenn die Gebäude nicht bewohnt beziehungsweise benützt werden, so wie Schmuck auch dann Schmuck ist wenn er nicht getragen wird.
Martin Papcun macht Architektur und Schmuck in einem. Und doch sind seine Arbeiten zunächst weder Architektur noch Schmuck.
Seine Arbeiten, soweit sie dem Autor dieser Zeilen bekannt sind, ergeben Erinnerungen an seine eigenen Wohnsituationen. Die Räume sind zart aus ganz dünnem Blech gestaltet, die Oberfläche geschwärzt. Teilweise sind Details durch Blattvergoldung stärker betont.
Zwar in der Dimension von Schmuck sind sie als solcher nicht verwendbar, denn allzu sensibel und verletzlich sind sie gebaut.
Also, Papcun macht weder Architektur noch Schmuck. Er findet für sich eine eigene
Kategorie gestalterischer Vorgehensweise, benützt dünnes Material, geht behutsam damit um und zaubert Gebilde von subtiler Ausstrahlung.
Papcun ist ein ernsthafter Gestalter, ein unermüdlicher Forscher, ein genauer Beobachter der Szene. Interessiert an den Arbeiten der Kolleginnen und Kollegen ist er dennoch in seiner künstlerischen Auffassung konsequent eigenständig. Seine schnell hingeworfenen Zeichnungen sind direkt und konzentriert.
Er macht gut proportionierte kleine Kunstwerke.– ein sinnlicher Genuss.
Peter Skubic
/ catalogue "Martin Papcun, Sungho Cho" / Munchen / 2011